Konflikte als Entwicklungshelfer

Konflikte erleben wir praktisch täglich: Mit Kollegen, Kunden, Chefs, dem Partner, den Kindern oder Nachbarn. "Konflikte an sich können wir nicht abschaffen, aber wir können intelligent damit umgehen", meint Therapeutin und Coach Christiane Lünser. "Ich entscheide, wie ich mit einem Konflikt umgehe." In einem Workshop beim B.F.B.M. in Frankfurt stellte sie den Teilnehmerinnen dazu verblüffende Methoden vor.

Durch die Auswahl eines kleinen, persönlich eingerichteten Raums sorgten die Frankfurter B.F.B.M.-Frauen für eine sehr vertrauensvolle Atmosphäre. Die machte es den Frauen leicht, gleich zu Beginn Beispiele für Konflikte zu nennen, die sie derzeit beschäftigen. Den Grad einer Belastung konnte Christiane Lünser - nicht nur für die betroffenen Frauen - sondern für alle Teilnehmerinnen aufzeigen, und zwar mit dem so genannten „Armlängen-Test“, einer Methode aus der Kinesiologie. 

Der Armlängentest
Unsere Körper können sprechen: Wenn ein Organismus Stress verspürt, reagiert er z.B. mit veränderter Atmung, Muskeltonus, Körperhaltung. Der Armlängentest macht das deutlich. Er ist ein neurologischer Reflex, bei dem sich auf der einen Seite des Körpers Muskeln, Bänder und Faszien entspannen und auf der anderen anspannen. So bekommen die Arme eine unterschiedliche Länge.

Im Zustand der Entspannung kommt die Lösung von selbst

„In angespannten Situationen schüttet der Körper Stresshormone aus, will kämpfen, fliehen oder stellt sich tot“, erläutert Christiane Lünser. „Um eine Lösung finden zu können, brauchen wir jedoch einen Zustand der Beruhigung und Entspannung.“ Wie kann das gehen? Erste Hilfe leistet die Sprache: Meist neigen wir dazu, über Dinge, die uns aufwühlen, im Präsens oder im Perfekt zu sprechen. „Das signalisiert jedoch dem Körper, mittendrin in dem Konflikt zu sein. So wird der Körper immer wieder neu in Alarmbereitschaft versetzt“, erklärt Christiane Lünser. Besser ist das Plusquamperfekt, also die Vorvergangenheit. Dann erzählen wir eine Geschichte etwa so: „Ich hatte eine Diskussion mit meiner Chefin gehabt, sie hatte meinen Urlaub gestrichen und ich hatte mich darüber sehr geärgert.“ Diese grammatische Form stellt die Geschehnisse als etwas bereits in der Vergangenheit Abgeschlossenes dar. Dadurch können sich die negativen Gefühle neutralisieren und der Körper beruhigt sich.

Was will mir diese Geschichte sagen?

Wie diese Methode wirkt, zeigte die Referentin ebenfalls an einer Teilnehmerin mit dem Armlängen-Test. In diesem Zustand der Entspannung und des emotionalen Abstands entsteht Raum für eine individuell stimmige Lösung. Wir können die Bewertung (z. B. „Meine Chefin will mich fertigmachen!“) loslassen und uns eher fragen: Was will mir diese Geschichte sagen?

Christiane Lünser: „Es geht nicht darum, in einem Konflikt zu siegen, sondern darum, eine Lösung zu finden, die allen guttut - oder zu gehen und sich einen anderen Platz zu suchen, an dem sich die eigenen Vorstellungen besser entfalten können. So gesehen sind Konflikte Entwicklungshelfer auf unserem persönlichen Weg.“

Kommentare
Name:
E-Mail:
Website:
Kommentar: