Home Office: Segen oder Fluch?

In den letzten Monaten war es für viele Arbeitnehmerinnen Alltag: das Homeoffice. Jetzt kündigen immer mehr Unternehmen an, sie wollen das Modell Homeoffice zumindest zum Teil beibehalten. Viele Angestellte begrüßen das. Doch es gibt auch Nachteile. Der B.F.B.M. hat Expertinnen, Mitgliedsfrauen und Gäste zu einem Austausch über dieses Thema in ein virtuelles World Café eingeladen.

Das bewährte Format des World Cafés in ein Online-Format zu übersetzen, ist bei der Veranstaltung 1:1 gelungen. Als „Thementische“ funktionierten Breakout-Sessions. Statt auf ein großes Papier notierten die Teilnehmerinnen ans Whiteboard. Zu Beginn stellten mehrere Sprecherinnen den Sachstand zum mobilen Arbeiten in ihren Unternehmen bzw. Institutionen dar. Die meisten haben schon ein bis zwei Jahre vor dem Corona-Ausbruch ihren Mitarbeitern Homeoffice ermöglicht. Corona hat dann diese Entwicklung extrem beschleunigt.

Rückschritt zu traditionellen Geschlechterrollen?

Besonders wichtig war allen Teilnehmerinnen die Frage, ob Arbeiten im Homeoffice einen Rückfall in alte Geschlechter-Rollenbilder mit sich bringt. Sind Frauen im Homeoffice wieder überwiegend allein für Haushalt und Kinder verantwortlich? Offensichtlich ja: In 70 % der betroffenen Familien war es ausschließlich die Mutter, die sich bei Schul- und Kita-Schließung um die Kinder kümmerte - zusätzlich zur Arbeit im Homeoffice. Das ergab eine Befragung zu den Auswirkungen der Corona-Pandemie auf die Gleichstellung von Frauen und Männern in der Städteregion Aachen. (Die abgebildeten Grafiken stammen aus dem Bericht.)

Sabine Bausch, Gleichstellungsbeauftragte der Stadt Aachen, präsentierte weitere Ergebnisse. So hatten rund doppelt so viele Frauen wie Männer ganz aus dem Homeoffice gearbeitet. 10 % der Frauen fühlten sich durch die Arbeit von Zuhause sehr stark und 42 % stark belastet. Bei den Männern waren es nur 5 bzw. 20 %, die sich sehr stark oder stark belastet fühlten. 53 % der befragten Frauen glauben nun, dass das Modell Homeoffice einen Rückschritt zu einem traditionellen Rollenbild bedeutet.

Leistung im Homeoffice ist weniger sichtbar

In den folgenden Diskussionsrunden fragten sich die Teilnehmerinnen des World Cafés: Werden Frauen, um Beruf und Familie besser vereinbaren zu können, auch künftig die Option Homeoffice wählen? Werden diese Frauen und ihre Leistungen dann weniger sichtbar sein im Unternehmen? Das würde sich nachteilig auf die Karrierechancen auswirken. Frauen sind da aber auch selbst in der Verantwortung, sich nicht ins Abseits drängen zu lassen. Außerdem bietet das Homeoffice natürlich auch viele Vorteile wie relativ freie Zeiteinteilung und gesparte Wegezeit, die zur Erholung genutzt werden kann.

Ein Problem, das Frauen wie Männer gleichermaßen trifft, ist die Schwierigkeit, sich im Homeoffice gegen die Ansprüche des Arbeitgebers abzugrenzen. Eine Teilnehmerin, die von Beruf Coach ist, berichtete von zahlreichen Gesprächen mit überforderten Angestellten, die von morgens 08:00 bis 22:00 erreichbar sein müssen und obendrein verpflichtet werden, zusätzlich online-Fortbildungen außerhalb der normalen Arbeitszeit zu absolvieren. Alle Teilnehmerinnen waren sich einig, dass dringend gesetzliche Regelungen geschaffen werden müssen, die die Belastung von Angestellten im Homeoffice begrenzen.

Viele Fragen sind noch ungeklärt

In der Politik wird zurzeit die Einführung eines gesetzlichen Anspruchs auf Homeoffice diskutiert. Dazu meldeten sich zwei Unternehmerinnen zu Wort: „Wenn der gesetzliche Anspruch durchgesetzt wird, wäre der Arbeitgeber verpflichtet, den Mitarbeitern zu Hause einen kompletten zweiten Arbeitsplatz einzurichten - und das unter ergonomischen Gesichtspunkten. Außerdem müssten wir die häusliche Umgebung kontrollieren, ob dort Arbeitssicherheit und Datenschutz gewährleistet sind. Vor allem kleinere Unternehmen können das nicht leisten.“ meint Maxi-Karine-Stamer, Mitinhaberin einer Steuerberatungskanzlei mit rund 50 Mitarbeitern.

Fazit der Veranstaltung: Arbeit aus dem Homeoffice heraus wird auch künftig zum Alltag gehören und insbesondere Frauen neue Chancen eröffnen. Gleichzeitig sind dazu noch viele Fragen offen, die vom Gesetzgeber, den Arbeitgebern und der Gesellschaft geklärt werden müssen.

Um die erfolgreiche Kommunikation in virtuellen Teams - also von Homeoffice zu Homeoffice - geht es bei einem weiteren B.F.B.M.-Online-Workshop mit Kommunikationstrainerin und Coach Astrid Windfuhr am 25. November. Weitere Einzelheiten dazu und die Möglichkeit zur Anmeldung finden Sie hier.

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