Hochsensibilität ist Wahrnehmungsbegabung

Stellen Sie sich vor: Rund 2 von 10 Ihrer Kollegen, Mitarbeiter, Kunden oder Freunden fühlen, sehen oder hören mehr als die anderen Personen in ihrem Umfeld. Denn 20 Prozent der Menschen haben eine erhöhte Wahrnehmungsfähigkeit der Sinne und müssen deshalb intensivere Reize verarbeiten. Darüber Bescheid zu wissen, kann Ihr Leben verändern, erleichtern und bereichern.

Am Anfang steht bei vielen Menschen, die sich meist schon von den Begriffen „hochsensibel“ und „Hochsensibilität“  angezogen fühlen, das Gefühl anders zu sein und andere Erfahrungen im Leben zu machen. Doch dieses Gefühl des Andersseins interpretieren hochsensible Personen oft als „Ich bin weniger belastbar, ich gehöre nicht dazu, ich spinne“.

Wenn man das Wahrnehmungssystem von Menschen mit einem Sieb vergleicht, dann sind seine Löcher bei hochsensiblen Menschen größer als bei anderen. Das heißt, das Sieb ist viel durchlässiger. 

Wie zeigt sich Hochsensibilität im Alltag?

  • Sie spüren in Sitzungen ganz genau, da „liegt was in der Luft“ zwischen Teammitgliedern oder wenn Ihr gegenüber etwas anderes denkt als er oder sie sagt.
  • Sie liegen schon nach einer Tasse Kaffee die ganze Nacht wach oder reagieren stärker auf Medikamente.
  • Gespräche mit anderen ermüden Sie, Sie müssen sich regelmäßig in die Stille zurückziehen um die ganzen Eindrücke zu verarbeiten. 
  • Sie möchten, dass Ihre Arbeit Sinn macht. Nachhaltigkeit beschäftigt Sie sehr.
  • Sie regen sich regelmäßig über die Rücksichtslosigkeit anderer auf. Den Satz „nimm dir doch nicht alles so zu Herzen“ kennen Sie nur zu gut.
  • Sie sind zu außergewöhnlich hohen Leistungen fähig und zweifeln dennoch regelmäßig an sich. 

Elaine N. Aron veröffentlichte 1999 ihr Buch „The Highly Sensitive Person“ und gab der Hochsensibilitätsforschung damit eine bis heute entscheidende Grundlage. Ende Juni/Anfang Juli diesen Jahres fand der erste Kongress für Hochsensibilität im deutschsprachigen Raum statt. Eine Wiederholung steht für November 2018 bereits fest. Der Kongress bietet ein ansprechendes Weiterbildungsprogramm und eine Vernetzungsplattform für Wissenschaftler, Ärzte, Therapeuten, Coaches, Personalentwickler und Privatpersonen. 
 

Fachinformationen und Erfahrungsberichte

Auf dem Büchermarkt und im Internet gibt es zum Thema Veröffentlichungen in überschaubarer und wachsender Anzahl. Unter http://www.hochsensibel.org finden Sie beispielsweise die Website des Informations– und Forschungsverbundes Hochsensibilität e.V.. Vielen Informationsangeboten gemeinsam ist, dass Sie einen Fragebogen oder Test beinhalten, der bei einer Selbsteinschätzung helfen soll. Meiner Erfahrung nach, erkennt man damit sehr schnell seine eigene Tendenz. Noch wertvoller ist es jedoch, die vielfältigen Erfahrungsberichte und Informationen von Betroffenen zu lesen, die zu einer viel feinschichtigeren Einschätzung verhelfen. Sie wollen dazu beitragen, eine positive Bewusstheit zu schaffen, mit der Hochsensible ihre besonderen Begabungen als Stärken verinnerlichen und im eigenen Leben und am Arbeitsplatz gezielt einsetzen können. 

Ich selbst musste auch erst lernen, meine besonderen Fähigkeiten mit anderen Augen zu sehen und dankbar anzunehmen. Jetzt nutze ich viele Anteile meiner eigenen Hochsensibilität für die Arbeit mit meinen Kunden im Coaching zum beidseitigen Vorteil. Ich habe ein besonderes Ohr und Auge für die Stärken und Gefühle von Menschen und Unternehmen.

Über die Autorin:
Sandra Plazibat ist Beraterin und Coach. Ihr Schwerpunktthema sind Wendepunkte im Berufsleben und die Entdeckung von persönlichen Potenzialen und Stärken. http://www.workandsoul.info

Sandra Plazibat

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